Andreas Staier

Dozent im Fach Cembalo

Der Pianist Andreas Staier (*1955) wurde zunächst als Cembalist weltberühmt. Nach Studien bei Lajos Rovatkay und Ton Koopman arbeitete er drei Jahre mit Musica Antiqua Köln zusammen. Doch Staier ist weit mehr als ein virtuoser Vertreter der so genannten historischen Aufführungspraxis. Vielmehr könnte man ihn als leidenschaftlichen Klangsucher beschreiben. Jedes Werk, das sich der Pianist vornimmt, wird nicht nur genauestens hinsichtlich seiner Strukturen analysiert, sondern Staier erforscht zudem die jeweilige historische Situation, in der es entstand. Dafür arbeitet er z. B. auch mit Instrumentenbauern zusammen, um dem speziellen Klang in all seinen Facetten möglichst nahe zu kommen – seien es Werke des 16. Jahrhunderts wie der englischen Virginalisten, Bachs Goldberg-Variationen, die Diabelli-Variationen des späten Beethoven oder die letzten Klavierwerke von Brahms, komponiert am Ende des 19. Jahrhunderts. Aber auch weniger bekannten Komponisten hat sich Staier immer dann zugewandt, wenn er in ihren Werken originelle Aspekte entdecken konnte: u. a. Sebastián de Albero oder Josef Antonín Štěpán.
 

Sein Engagement endet jedoch nicht bei der Musik des 19. Jahrhunderts. Das zeigt Staiers Zusammenarbeit mit dem französischen Komponisten Brice Pauset (*1965), aus der mehrere Kompositionen hervorgegangen sind wie etwa die im Jahr 2000 entstandene Kontra-Sonate: ein Hybrid aus Schuberts a-Moll-Sonate, D 845, und »Kontrakompositionen« Pausets – ein Musterbeispiel für Staiers epochenübergreifendes musikalisches Denken. Andreas Staiers Wirken ist auf zahlreichen Tonträgern dokumentiert, die fast alle mit prominenten Preisen ausgezeichnet wurden. Aktuell wurde seine Aufnahme der Bachschen Cembalokonzerte gemeinsam mit dem Freiburger Barockorchester mit einem ECHO Klassik bedacht. Auch der Künstler selbst wurde vielfach für seine Arbeit geehrt. So war er etwa 2012–16 Artist in Residence am AMUZ in Antwerpen und in gleicher Funktion seit 2011 an der Opéra de Dijon.
 

Ob am Cembalo oder am Hammerklavier konzertierte Staier weltweit bei zahlreichen renommierten Musikfestivals mit Ensembles wie dem Freiburger Barockorchester, Concerto Köln, der Akademie für Alte Musik Berlin oder dem Orquestra Barroca Casa da Música Porto. Langjährige musikalische Partner sind auch die Pianisten Alexander Melnikov, Christine Schornsheim und Tobias Koch, die Geiger Daniel Sepec, Isabelle Faust und Petra Müllejans oder der Tenor Christoph Prégardien. Mit ihm hat Staier die großen Liederzyklen Schuberts auf eine zuvor noch nicht gehörte Weise interpretiert. Neben vielen anderen kammermusikalischen Projekten formierte der Pianist 2010 zusammen mit Daniel Sepec und dem Cellisten Roel Dieltiens ein Klaviertrio, das vor kurzem Schuberts berühmte Kompositionen für diese Besetzung eingespielt hat. Seit einigen Jahren arbeitet Andreas Staier auch als Dirigent und Orchesterleiter.
 

Staiers weitgespannte Interessen und Fähigkeiten haben ihn schon früh zu einem viel gefragten Pädagogen gemacht. Neben Meisterkursen weltweit war er von 1987–1995 Professor für Cembalo und Hammerklavier an der Schola Cantorum Basiliensis.

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